Dialog in Planungsprozessen

Verfahren (vgl. Studienauftrag gemäss SIA 143) in Planung und Architektur setzen vermehrt auf den direkten Kontakt mit den beteiligten Teams. Das Büro für Stadtfragen hat die Argumente und die Voraussetzungen zusammengestellt, wieso und wann ein echter Dialog und damit weniger Anonymität zur besseren Lösung und mehr Planungssicherheit beitragen.

(sta) Der Begriff Dialog ist in der Architektur und in der Stadtentwicklung in aller Munde, wenn auch öfters als unverbindliches Plastikwort. Die Häufigkeit ist dennoch erstaunlich, denn Dialog ist anstrengend und bisweilen genau so gefährlich wie ein Gespräch in einem Krimi von Agatha Christie, denn: Im Dialog teilt sich der Mensch immer selbst mit, ob er das will oder nicht. In der Abgrenzung zum Monolog oder zur Information erhält der Begriff an Schärfe: Dialog ist immer zweiseitig und deshalb die Voraussetzung für Verständigung. Das für einen echten Dialog zur Verfügung stehende Material besteht aus fachspezifischen Informationen und aus persönlichen Bildern und Erinnerungen der daran Beteiligten. Die persönlichen Bilder geben sich oft erst durch Nachfrage zu erkennen, weil sie in mental maps abgelegt sind, in Landschaften im Kopf. Karl Schlögel (Im Raume lesen wir die Zeit, 2007) hat dazu treffen bemerkt: „Wer an diese Landschaften im Kopf herankommen will, muss Menschen zum Sprechen bringen, ihren Erzählungen zuhören.“

Sieben Argumente sprechen für mehr Dialog und weniger Anonymität in planerischen Wettbewerbsverfahren:

  • Die Diskussion um Anonymität (Erkennbarkeit von Autoren im Plan) erübrigt sich im entscheidenden Moment;
  • das gegenseitige Erleben des persönlichen Kontakts erhöht die Planungssicherheit und die Akzeptanz für Entscheidungen;
  • Dialog ist verlässlicher, direkter und ehrlicher als Planinformationen und Architekturbilder;
  • Dialog kann zielgruppen-, zeit- und mittelgerecht als Kontrolle eingesetzt werden;
  • Dialog bricht dem Primat der medialen Vermittlungsqualität von Projekten die Spitze;
  • Dialog macht es einfacher, über gewisse Dinge nicht zu reden;
  • Dialog kann adhoc einen zusätzlichen inhaltlichen Beitrag an die beste Lösung leisten.

Damit der Dialog gelingt, sind folgende Voraussetzungen zu erfüllen:

  • Dialog entspricht der Kultur und den Zielen des Veranstalters sowie der teilnehmenden Experten/innen;
  • ein Verfahren wird durch den Dialog gleichzeitig ergebnisoffener und wirtschaftlicher;
  • der Dialog findet in einem professionellen kommunikativen Umfeld statt;
  • die Form des Dialogs wird von den daran Beteiligten als echt wahrgenommen;
  • der Dialog wird von einer unabhängigen Person moderiert.

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