Am 15. September ist am Seetalplatz in 6020 Emmenbrücke eine Party gestiegen: Die Zwischennutzung mit dem Namen “NF49” (abgeleitet von der historischen Kartenbezeichnung Nivellement Fédéral 49) wurde eröffnet. 14’000m2 Arealfläche und 40 Bürocontainer stehen nun für mindestens drei Jahre bereit für Experimente, kreatives und unternehmerisches Schaffen sowie Anlässe. Dahinter steckt ein Verein mit dem Namen PLATZHALTER. Hinter dem Verein stehen drei luzernische Firmen: Eichenberger Szenografie, der Verein B-Sides und die Stadtfragen GmbH.

sta. Der Seetalplatz in Emmenbrücke liegt geografisch irgendwo zwischen Stadt, Land und Fluss. Im Grunde genommen bildet der Projektperimeter von NF49 das Bild eines kleines Dorfs ab: 14’000 m2 hartes Pflaster, Wiesen, Schotter- und Kiesflächen. Entstanden ist das Dorf, weil vor ein paar Jahren über der Region Luzern ein grosses Gewitter getobt hat und weite Gebiete in der Gemeinde Emmen unter Wasser gesetzt wurden. Durch diverse Planungen und Projekte zum Fluss- und Strassenraum wurde aus dem ehemals kleinen Kreisel am Seetalplatz in den letzten Jahren ein ganz grosser, städtebaulich überzeugender Gross-Kreisel. Mitten drin arbeiten der Kanton Luzern als Grundeigentümer, der Verein Platzhalter als Mieter und die ersten Untermieter in Containern nun für mindestens drei Jahre am Projekt “Zwischennutzung”. Man sagt sich auf dem Gelände «Grüezi». Bald eröffnet eine zweigeschossige Beiz, die ebenfalls aus Containern gebaut ist. 200 Sonnenblumen machen den Anfang der Bepflanzung und der Spatz, der die Gipfeliresten frisst, hat einen Namen: Er heisst Fridolin. Ländlicher zu und her gehen, als im Projekt NF49, kann es schon fast nicht.

Stadt muss man wollen!

Die Macher von Platzhalter interessiert die Frage, wie Leben in einem Raum entstehen kann, der vorher ohne Menschen auskam, also kein Ort war. Und die Zeit, die nach dem Dorf kommt, treibt das Projekt an. Der Busbahnhof, an den das NF49-Gelände direkt angrenzt, weist den Weg in die nahe Zukunft. Der Seetalplatz ist schon heute ein städtischer Ort: Dort kreuzen sich täglich nämlich zigtausend Busse und Pendler aus allen Himmelsrichtungen. Es gibt einen McDo und Kinosäle. Was hier darüber hinaus bald entstehen wird, ist neues Stück Stadt Emmen. Der Stadtplaner würde an dieser Stelle sagen, das dazu eben nur noch die geplanten Büros, Wohnungen und Läden in den vorgesehenen, über dreissig Meter hohen, Gebäuden fehlten. Die Platzhalter sagen: “Dort, wo vorher nur ein Kreisel und Autoexport waren, braucht die neue Stadt zunächst einen Raum, wo Menschen etwas selber tun oder erleben können. Erst dann entsteht ein Ort”. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, dafür ist das Pflaster in Emmen besonders hart: Die Gemeinde (mit über 30’000 Einwohnern) will sich nämlich partout nicht “Stadt” nennen, und der eigentliche Dorfplatz ist schon längst im Innern des EmmenCenters etabliert. Kommt dazu: Die nächste öffentliche Toilette liegt vom Seetalplatz aus, Insider wissen es, tatsächlich erst am so genannten “Nordpol” (ein Grenzareal zur Stadt Luzern). Emmen hat rechts und links von Strassen und Trottoirs noch keine Tradition im Umgang mit öffentlichem Raum. Auch dieser Umstand ist für die Platzhalter nur halb so wild. Im Gegenteil: Emmen hat sie zum Projekt NF49 inspiriert, weil Stadt eben nie einfach nur dort ist, wo sie gerade geplant wird, oder wo hohe Häuser stehen, oder über Nacht mehrere Hundert Studenten einziehen, so wie in der ebenfalls benachbarten Viscosistadt mit der Hochschule Luzern. Vielleicht ist es auch so: Bei dem, was wir als Stadt oder Land uns vorstellen oder wünschen, handelt es sich zunächst um eine Sache, die im Kopf stattfindet, auf den Punkt gebracht: Stadt muss man wollen! Die Platzhalter behaupten sogar, dass sie mit ihrem städtisch gelegenen Dorf NF49 am Seetalplatz die nächsten Jahre eine Möglichkeit anbieten, um die Kopf-Bilder zu Stadt, Land und Fluss neu zu beglücken, zu schärfen oder einfach etwas durcheinander zu bringen.

www.platzhalter.lu

* Der Autor ist Gründungs- und Vorstandsmitglied des Vereins PLATZHALTER.