Entlebuch ist die Marke

Dorfentwicklung handelt von Menschen und gemeinsamen Interessen. Stadtfragen hat die Gemeinde Entlebuch zwischen 2009 und 2012 in der Dorfentwicklung begleitet. Das Spezifische an der Aufgabe: Entlebuch liegt in der UNESCO Biosphäre Entlebuch (UBE) und ist eine Marke. Sie als Ausgangslage für die Siedlungsentwicklung zu nutzen, ist eine Chance, wenn im Planen und Bauen die Themen Offenheit, Zusammenarbeit und Qualitätsbewusstsein hochgehalten werden. Der Anfang ist gemacht.

sta. In der offiziellen Sprache der UNESCO Biosphäre Entlebuch (UBE) ist ein Dorfkern ein so genanntes „Menschenvorranggebiet“. Damit ist eigentlich das Wesentliche schon gesagt: In der Dorfentwicklung geht es immer um Menschen, um deren Bedürfnisse und Interessen. Dass diese Bedürfnisse und Interessen auf dem Land ebenso vielfältig sind wie in der Stadt, d.h. ebenso unterschiedlich wie die Menschen selbst, macht die Sache aus Sicht der Planenden und der Politik komplex und arbeitsintensiv. Nicht nur für Gemeinden in der UBE gilt: Erfolg hat in der Dorfentwicklung nur, wer es schafft, Interessen zu formulieren, politisch und wirtschaftlich machbar umzusetzen, die für eine Mehrheit der Bevölkerung, für Gäste und künftige Bewohner/innen und Investoren Sinn machen, sprich einen monetären, persönlichen oder symbolischen Mehrwert bedeuten.

Empfangsort in der UBE

Als geografischer Empfangsort in der UBE hat die Gemeinde Entlebuch einen Status, den andere Gemeinden nicht haben und in den meisten Fällen auch nicht benötigen: Entlebuch ist eine Marke. Das Label UBE, seine Werte, Destinationen, geschützten Landschaften, Produkte und Menschenvorranggebiete tragen den Namen der Gemeinde in die Welt hinaus. Im Wettbewerb zwischen Städten, Gemeinden, Wohn-, Gewerbe- und Arbeitsstandorten beantworten Marken die Frage, wofür, für welche Werte und welchen Nutzen eine Gemeinde steht. Eine Marke ist demnach in erster Linie ein Kommunikations- und Führungsinstrument, das folgende Fragen möglichst wiederspruchsvoll und authentisch beantwortet: Wofür steht Entlebuch für mich als Bewohner/in, als Investor, als Gast, als künftige Steuerzahlende? Wirtschaftlich steht der Standort Entlebuch bislang für ein geringes Wachstum mit Grenzen und einem historisch schwierigen Erbe in der Haltung gegenüber Stadt. Geografisch hat das Dorf eine landschaftlich ausgezeichnete Lagequalität, verkehrstechnisch unterbindet die Hanglage jedoch den leichten Anschluss des Dorfkerns an die Schienenverbindungen nach Bern und Luzern. Bauliches Wachstum ist ökonomisch dort attraktiv, wo es der Landschaft am meisten Schaden zufügt; am Siedlungsrand. 2009 hat sich der damalige Gemeinderat entschieden, die anstehenden Aufgaben im Planen und Bauen im Dorfkern tatkräftig anzugehen und die Gemeinde als Empfangsort in der UBE zu positionieren.

Eigeninitiative, Kooperation und Qualität

Drei Jahre später geben der 2012 als NRP-Projekt des Bundes realisierte Neubau des Schützenhauses sowie die geplante Umgestaltung der Kantonsstrasse K 10 dem „Menschenvorranggebiet Entlebuch“ ein neues Gesicht: Beide Projekte zeigen, dass die Marke Entlebuch in planerischen und baulichen Aufgaben für politische Eigeninitiative, für die Kooperation mit der Bevölkerung, Investoren und Politischen Behörden und nicht zuletzt für den Einsatz im Dienst der Qualität steht. Das Schützenhauses ist nicht nur ein architektonisch zeitgemässer Neubau: Das Gebäude, für dessen Realisierung die Baulinie im Dorfkern einseitig um acht Meter verschoben wurde, steht vor allem als ein Ausgangspunkt für eine neue Planungs- und Baukultur im Dorf: Der Neubau entstand auf dem Hintergrund privater und öffentlicher Investitionen und folgt einer neuen ortsbaulichen Ordnung zwischen dem Hotel Drei Könige und dem Marktplatz. Lage, ortsbaulicher Ausdruck und architektonische Gestaltung des Neubaus wurden bis zum Schluss durch einen Beirat mit lokalen und auswärtigen unabhängigen Fachexperten begleitet. Das Projekt für die Sanierung der Kantonsstrasse K 10 hat die Gemeinde aus Notwendigkeit und Eigeninitiative selbst neu lanciert und erfahren, wie Verkehr und Siedlung auch entlang einer Hauptverkehrsachse und in hartnäckig verhandelter Kooperation mit Betroffenen und politischen Behörden aufeinander abgestimmt werden können.

Ein Anfang

Gemessen an den bevorstehenden Aufgaben im Dorfkern und am Siedlungsrand von Entlebuch ist der Neubau des Schützenhauses erst ein guter Anfang und ein Orientierungspunkt für die nächsten Schritte. Weitere Geschichten in der Dorfentwicklung Entlebuch müssen wiederum neu geschrieben, erfolgreich kommuniziert und letztlich umgesetzt werden. „Gemeindeentwicklung ist heute in den meisten Gemeinden ebenso wichtig, wie die Steuerpolitik“, so hat Ulrich König, Direktor des Schweizerischen Gemeindeverbands, die Bedeutung der Aufgabe Gemeindeentwicklung auf den Punkt gebracht. In Entlebuch geht es in naher Zukunft um die Neugestaltung des Marktplatzes, die Realisierung der Strassenraumgestaltung entlang der K 10, um ein Siedlungsleitbild auf der Grundlage der UBE-Werte und um die Klärung der lokalen und regionalen Bedeutung und Zukunft des Gewerbe-und Dienstleitungsstandorts am Bahnhof (Aentlebuch). Zwischennutzungen und der gezielte Einbezug der Bevölkerung werden ebenso wichtige Aufgaben bleiben, denn: Der Wettbewerb um Investitionen, Steuerzahlende, finanzielle Beiträge und um öffentliche Aufmerksamkeit wird  eher härter als einfacher werden. Der geforderte behutsame Umgang mit den Ressourcen Landschaft und Boden wird zudem politisch, am Markt, in den Einfamilienhäusern am Siedlungsrand und am Stammtisch zur Folge haben, dass die Rufe nach stimmigen, professionell und mit der lokalen Bevölkerung erarbeiteten Lösungen lauter werden.

Die Vorteile einer Marke, die gelebte Eigeninitiative, echte Kooperation und der tägliche Einsatz für Qualität bilden in Entlebuch eine gute Ausgangslage, mit der sich die Dorfgemeinschaft und der Standort in der weiteren Dorfentwicklung gut vernetzt, offen für qualitative Lösungen und wachsam an den Chancen der Zukunft orientieren kann.

Dieser Artikel ist in kürzerer Form 15. März 2013 in einer Sonderbeilage des Entlebucher Anzeigers erschienen.