Bocksprung in Sevilla

Metropol Parasol ist gebaut, Sevilla erhält mitten in der wirtschaftlichen Krise des Landes ein neues Wahrzeichen. Jürgen Mayer H. hat es entworfen. Der Rundflug findet am Ende des Artikels statt.

(sta) Metropol Parasol auf der Placa de la Encarnacion in Sevilla – ein Entwurf des deutschen Architekten Jürgen Mayer H. – ist bereits am 27. März 2011 feierlich eröffnet und nun auch baulich fertiggestellt worden. Vor zwei Jahren hat mir Jürgen Mayer am Flughafen Zürich in einem Interview erzählt, wieso das symbolträchtige Bauwerk auf einem ehemaligen, jahrzehntelang provisorisch genutzten Parkplatz mitten in der Altstadt von Sevilla aufgrund seiner Nutzung als Markt, archäologisches Museum, Event-Raum und als städtebauliche Reparatur einen urbanistischen Bocksprung darstellt und architektonisch als „demokratische Kathedrale“ interpretiert werden kann: So wurde der Entscheid für das Projekt in der Wettbewerbsphase durch eine öffentliche Mitwirkung positiv beeinflusst und Mayer’s Formfindung spielt mit Analogien zu vor Ort vorgefunden sakralen Architekturformen und Landschaftselementen (Bäume).

Positionierung als Kulturstandort

Für die Stadt Sevilla handelt Metropol Parasol politisch-planerisch von der Positionierung als Kultur- und Tourismusstandort. Die nationalen Konkurrenzobjekte im Wettbewerb um die Gunst der Aufmerksamkeit und Reputation stehen in Barcelona, Bilbao, San Sebastian und Porto. In Sevilla soll ein weiterer Nachhall des berühmten Bilbao-Effekts erklingen. Eine aus diesen Beweggründen politisch und globalistisch aufgeladene Architektur benötigt – neben einer aussergewöhnlichen Formensprache – die Wirkung der Superlative: Beim Werk Metropol Parasol sind es die Dimensionen des räumlich gestapelten Eingriffs in den historischen Stadtkörper und die technische Innovation bei der Planung und Realisierung der Holzkonstruktion (Beratung durch Arup).

Rundflug

Ein Teil der Dachlandschaft über den gebauten Sonnenschirmen ist begehbar: hier findet Sightseeing statt. Wie sich ein Flug um das Bauwerk herum kurz vor seiner Fertigstellung anfühlt und anhört, hat der lokale Fernsehsender giraldatv mit Hilfe einer Drone in einem Video festgehalten: