Dreamy Sticky Soup. Die aktuelle Einzelausstellung von Patrick Perren im Foyer des Kultur- und Kongresszentrum La Poste in Visp überzeugt, auch weil das Bildmaterial Staunen und Irritation auslöst. Zur Ausstellung hat das Kunstforum Oberwallis einen Katalog herausgegeben.
sta/Visp_Zwei Dinge ziehen in der aktuellen Ausstellung im La Poste die Aufmerksamkeit des Betrachters zuerst auf sich: die Vielzahl der präsentierten, erst kürzlich geschaffenen Werke und zweitens die Farbigkeit, oder besser gesagt: die malerische Buntheit der Ausstellung. Mit einer freien, rhythmisch komponierten Salonhängung schafft der gelernte Architekt Patrick Perren mit seiner Ausstellung etwas, das im La Poste nicht immer gelingt: Die Transformation des Foyers in einen stimmigen Kunstraum.
Der Protagonist in den Bildern könnte genauso gut jede andere Person sein. Patrick Perren
Im Rahmen der Gruppenausstellung REGIONALE Wallis 2025 in der Schützenlaube in Visp hängte der in Zürich lebende Patrick Perren (1993) neben seinen Porträts seine aktuelle Medikation an die Wand. Die Bedeutung seiner psychischen Realität für den Inhalt und Ausdruck seiner Malerei wurde dem Auge des Betrachters dadurch quasi aufs Auge gedrückt. Ein Jahr später präsentiert er seine künstlerische Haltung dem Publikum in Visp nicht weniger radikal, jedoch verpackt in ein lustvolles Storytelling. Sinnfeld und Gegenstand seiner Arbeit ist und bleibt die Therapie. Aus der Auseinandersetzung mit seiner psychischen Gesundheit entstehen Zeichnungen, Malerei, Installationen und Skulpturen. Im La Poste präsentiert Perren den Ausgangspunkt seiner künstlerischen Arbeit sinnbildlich als eine Suppe, die es vom ersten Impuls ausgehend, mit Emotionen, Erinnerungen, Wünschen oder Ängsten als Zutaten bis zum fertigen Werk zuzubereiten gilt. Das Sinnbild der Suppe macht die Ausstellung und den Katalog auf farbige und lustvolle Art anschaulich und zugänglich.
Plädoyer für die Offenheit in der Kunst
An der Vernissage trägt Patrick Perren einen blau-weiss gestreiften Pulli – die Streifen seines Protagonisten in den Bildern sind rot-weiss. Das ist kein Zufall und hat mehr mit seiner Offenheit als Maler der eigenen Innenwelt zu tun. Wer sich dabei denkt, dass Perren in Bildern seine persönliche Geschichte erzählt, liegt falsch – dann hätte er zur Eröffnung der Ausstellung auch rote Streifen getragen: Im Katalog präzisiert Perren, was er mit Offenheit meint: „Die Figuren (Anm: in den Bildern) tragen Erfahrungen in sich, die zwar aus meinem Leben stammen, aber nicht meine Geschichte erzählen. Sie bewegen sich durch Zustände, Erinnerungen und psychische Realitäten. Dadurch können auch andere Menschen in diese Welt eintauchen. (…) Der Protagonist in den Bildern könnte genauso gut jede andere Person sein.“
Die Ausstellung Dreamy Sticky Soup im La Poste dauert noch bis zum 29. Januar 2027. Katalog: Kunstforum Oberwallis (hrsg,): Dreamy Sticky Soup. Patrick Perren. 2026, erhältlich in der Ausstellung für CHF 10.