Fazit zum Beziehungsstatus Künstlicher Intelligenz (KI) im Architekturalltag: Gebäude werden integrativer, performativer und qualitativ fundierter. Stadtfragen fasst zusammen, wie Vertreter/innen aus den Büros Zaha Hadid, Herzog & de Meuron und Foster+Partners dazu kommen.

Zum Interview: AI Integration in Architecture — Roderick Bates (Chaos), Shajay Bhushan (ZHA), Michael Drobnik (Herzog & de Meuron), Martha Tzikari (Foster + Partners)

sta_Im Podcast der Chaos Group unterhält sich Roderick Bates mit zwei Vertretern aus den Büros Herzog & de Meuron und Zaha Hadid Architects sowie einer Vertreterin von Foster + Partners über die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Architektur. In einem Punkt sind sich Michael Drobnik, Martha Tsigkari und Shajay Bhooshan sehr nahe: KI dient heute in erster Linie als prozessorientiertes Werkzeug zur Effizienzsteigerung. Das passt zur Kernbotschaft des Podcasts: KI wird Prozesse revolutionieren – Architektur bleibt ein handwerklicher, kultureller und ein kommunikativer Kraftakt.

Performance, vernetztes Wissen und Bildresonanz

Und was bedeutet der Einzug von KI in den Architekturalltag konkret? Die angeregte Diskurs im Podcast dreht sich um drei prominente Themenfelder: Performance, Austausch von Wissen und Visualisierung. Es geht somit um die digitale Logistik als Kernprozess im Architekturalltag. Die Themenfelder in Stichworten:

Performance analysis: Die KI-gestützte Analyse von Nutzungen und Gebäudeleistungen ermöglicht es, Entwürfe bereits in frühen Planungsphasen hinsichtlich Energieeffizienz, Tageslicht, thermischem Komfort und weiterer Leistungsparameter datenbasiert zu bewerten und zu optimieren.

Knowledge Management: Begleitend zur Analyse gewinnt der Austausch an Wissen an Bedeutung: Projektbezogene Erfahrungen, Normen und Planungsdetails werden systematisch aufbereitet, vernetzt und für Entscheidungsprozesse verfügbar gemacht. Wissensmanagement ermöglicht die Vernetzung von Wissen und Kreativität am Arbeitsplatz – und verspricht für jede Mitarbeiter/in die richtige Aufgabe.

Automatisierte Szenografie und Visualisierung: Die KI unterstützte Vermittlung von Qualitäten in Projekten macht Visualisierungen spezifischer im Kontext, bezüglich Atmosphären und für den Einsatz von positiv besetzten Resonanzthemen z.B. einer speziellen Zielgruppe.

Zusammenfassung des Gesprächs

Die drei Büros Zaha Hadid Architects, Foster + Partners und Herzog & de Meuron zeichnen ein bemerkenswert ähnliches Bild davon, was KI in der Architektur heute leisten kann: Sie verstehen sie nicht als Ersatz für Architektur, sondern als Werkzeug, das Prozesse präziser, schneller und intelligenter macht. Gleichzeitig wird deutlich, dass KI für sie vor allem dort relevant ist, wo sie Entwurfsarbeit, Wissensorganisation und Vermittlung unterstützt — nicht dort, wo sie die architektonische Haltung selbst ersetzt.

Performance

Martha Tsigkari (Foster): „Am Ende des Tages bezahlt man dich nicht dafür, etwas zu visualisieren. Man bezahlt dich dafür, es physisch zu realisieren.“

Michael Drobnik (HdM): „Die richtigen Informationen und Entscheidungen zur richtigen Zeit, sehr schnell.“

Shajay Bhooshan (ZHA): „KI macht das, was wir schon konnten, nur schneller und demokratischer.“

Bei Zaha Hadid Architects steht vor allem die Beschleunigung und Erweiterung des Entwurfs im Vordergrund. Shajay Bhooshan beschreibt KI als eine Fortsetzung jener experimentellen Haltung, die das Büro seit seinen Anfängen geprägt hat. Für ihn kann KI besonders dann produktiv werden, wenn kleine Teams ihre Arbeitsabläufe von Anfang an klar strukturieren: Dann lassen sich Routineprozesse automatisieren, während die eigentliche kreative Arbeit bewusst beim Menschen bleibt. Gleichzeitig betont er, dass KI bestehende formale Ergebnisse zwar schneller, aber nicht automatisch besser mache — sie liefere eher mehr Output als eine neue Sprache.

Martha Tsigkari von Foster + Partners formuliert diese Haltung besonders klar: Technologie sei für das Büro immer nur ein Mittel zum Zweck. Entscheidend sei nicht, KI um ihrer selbst willen einzusetzen, sondern sie dort zu nutzen, wo sie Leistung, Nachhaltigkeit, Materialentscheidungen und Entscheidungsprozesse verbessert. Foster versteht KI deshalb vor allem als Leistungswerkzeug und als Instrument zur Optimierung: Daten, Performance, Simulation und Arbeitsabläufe sollen früher und besser auswertbar werden. Auch im Bereich der Visualisierung geht es nicht nur um schöne Bilder, sondern um eine Darstellung, die Kontext, Atmosphäre und Information besser zusammenbringt.

Wissen sammeln und vernetzen

Michael Drobnik: „Eine Art Co-Pilot, der Wissen nicht nur speichert, sondern aktiv zugänglich macht.

Martha Tsigkari: „Ask Foster Partners — KI-gestützte Suche für technische Leitfäden, Materialien, Details.“

Shajay Bhooshan: „Die Prozesskarte wird zum Bauplan der Automatisierung.“

Bei Herzog & de Meuron ist der Fokus noch stärker auf Wissen und Orientierung gerichtet. Michael Drobnik beschreibt KI als eine Art digitalen Begleiter (Co-Pilot), der hilft, Informationen schneller zu finden, zu ordnen und an die richtige Person weiterzuleiten. Das Ziel ist nicht bloß Effizienz, sondern ein intelligenterer Umgang mit dem kollektiven Wissen des Büros. Gerade für neue Mitarbeitende soll KI den Zugang zu Erfahrungen, Projekten und Ressourcen erleichtern und damit eine Art internes Navigationssystem bilden. Auch bei der Visualisierung steht für HdM nicht die reine Ästhetik im Vordergrund, sondern die Frage, wie man Räume und Qualitäten so vermittelt, dass sie verständlich und anschlussfähig werden.

Bemerkenswert ist, dass alle drei Stimmen KI nicht als eigentliche Quelle einer neuen Formensprache sehen. Shajay Bhooshan, Michael Drobnik und Martha Tsigkari sind sich darin erstaunlich einig, dass KI bisher vor allem das beschleunigt, was es schon gab. Die eigentliche Veränderung liegt für sie weniger in der Form als im Prozess: in der besseren Verfügbarkeit von Wissen, in der schnelleren Bewertung von Optionen und in der effizienteren Kommunikation innerhalb des Büros und gegenüber Auftraggebern.

Visualisierung und Szenografie

Shajay Bhooshan: „ZHA macht leere Modelle lebendig — schnell, auch ohne Rendering-Team.

Martha Tsigkari: „Visualisierung muss Daten und Atmosphäre verbinden, als visuell lesbare Entscheidungshilfe dienen.“

Für ein junges Büro bedeutet das vor allem eines: KI kann ein enormer Hebel sein, aber nur dann, wenn sie auf einer klaren Haltung, einem sauberen Prozessverständnis und echter gestalterischer Ambition aufbaut. Die drei Gesprächspartner machen deutlich, dass man mit KI nicht automatisch zu einem herausragenden Büro wird. Architektur bleibt ein Beruf, in dem Kompetenz, Urteilskraft, Sprache, Überzeugung und Zeit entscheidend sind. KI kann vieles beschleunigen — aber sie ersetzt weder die Reife eines Büros noch die Fähigkeit, eine eigene architektonische Position zu entwickeln.

Chance für den Nachwuchs

Martha Tsigkari: „KI ist kein Shortcut. Zaha, Norman, HdM — das braucht Charisma, Kreativität, DNA.“
Michael Drobnik: „Fachwissen, Handwerk und kritische Denken bleiben entscheidend.“
Shajay Bhooshan: „Zaha hat 20 Jahre gewartet. KI beschleunigt, ersetzt aber nicht Reife.


Dieser Beitrag wurde mit plaud aufgenommen und mit perplexity übersetzt