Schlagwort-Archiv: Dorf

Carte Blanche 2010

Zum Jahresende vergibt das Büro für Stadtfragen seine erste Carte Blanche in Form einer A5-Postkarte. 2010 geht sie an den Luzerner Gestalter Mart Meyer und sein Werk „Kloten“. Das Aquarell hat eine Grösse von 55 x 72 cm und ist 2010 entstanden.

Kloten, das ehemalige Flughafendorf, ist heute eine urbanistische Einzigartigkeit in der Schweiz und hat im Zentrum eben einen neuen baulichen Grundstein gelegt.

Zentrum mit Goldrand

Kloten hat im Zentrum einen urbanistischen Grundstein gelegt. Die Überbauung SQUARE bietet eine dichte Wohnbaunutzung mit Service-Leistungen und Kleingewerbe an. Und sie ist ein starkes Zeichen im regen, regionalen Wettbewerb um Standorte für Wohnen und Arbeiten – direkt vor der Stadt Zürich. Die Architekturkritik dazu hat das Büro für Stadtfragen im Oktoberheft der Zeitschrift werk, bauen+wohnen publiziert.

Kloten hat zwischen 2003 und 2009 auf einem freien Acker sein neues Zentrum SQUARE geplant und realisiert. Auf dem ehemaligen Lirenächer wird seither kinderlos gewohnt, gefittet, eingekauft und gegessen. Ernst Niklaus Fausch Architekten haben zusammen mit der Politik die Zentrumsentwicklung konzeptionell angedacht, entworfen, geplant und im Auftrag der Specogna Immobilien AG Kloten auch noch gebaut.

Städtischer Nutzungsstapel

Nutzungsmix, Dichte, Stapelung der Geschosse, Wohnungsangebot, Material und der Concierge-Service geben Kloten an diesem Ort ein städtisches Gesicht. Die Durchlässigkeit der Verbindungs- und Erschliessungsräume, der Hühnerstall in der Nachbarschaft und die Ehrlichkeit, wie die Eigentumsverhältnisse und unterschiedlichen Qualitätsvorstellungen architektonisch zum Ausdruck kommen, zeigen, dass Kloten auch Dorf sein kann. Die beiden bis sechsgeschossigen Gebäude haben eine lebendige Klinkerfassade. Goldene Brüstungs- und Fassadenelemente wiederum sollen städtisches Ambiente stilisieren. Sie sind jedoch eher architektonische Episoden.

Vorstadt ohne Stadtplatz

Wie es mit Kloten als Vorstadt von Zürich genau weitergeht, ist derzeit noch offen. Fest steht: Die Realisierung des geplanten Stadtplatzes mit einer permanent überdachten Markthalle ging dem Souverän letztes Jahr  zu weit: Die Vorlage wurde deutlich abgelehnt. Dennoch wird SQUARE in der Flughafenstadt Weiteres bewirken. Die Politik konzentriert sich auf kooperative Planungen mit privaten Nachbarn. (Bild: Büro für Stadtfragen 2010)

Hochsitz in Haldenstein

Robert Albertin hat in Haldenstein sein zweites Atelierhaus gebaut. Zusammen mit Peter Zumthor hat er im Dorf ob Chur weitere Absichten.

Chur hat sich der Gegenwartsarchitektur geöffnet; ebenso Haldenstein, das linksrheinische Dorf am Fuss des Calanda und Vorposten im Norden der Stadt. Haldenstein zählt 900 Einwohnerinnen und Einwohner, sieben landwirtschaftliche Betriebe, drei Alpen und die zwei Architekten Peter Zumthor und Robert Albertin. Beide haben hier schon gebaut, und beide wollen weitere Beiträge an die Dorfentwicklung leisten. Mittendrin hat Miroslav Sik ein «Bürgerhus» realisiert. Die Dichte an architektonischer Qualität wird zusehends bemerkenswerter.

Massvoll und trotzdem riskant

Robert Albertins neues Wohn- und Atelierhaus «Halde» liegt am Nordosthang direkt am Weg vom Dorfkern hinauf zu den Alpen. Das Raumprogramm ist massvoll gewählt, Grundriss und Schnitt sind in einer selbstverständlichen Art entworfen. Wer den Panoramablick erlebt, hat den Eindruck, dass genau hier ein urbanistischer Hochsitz angelegt werden musste. Wände, Decken und das Dach des Minergie-Hauses bestehen aus massiven, vorfabrizierten Holzelementen aus kreuzweise verleimtem Brettsperrholz, das innen weiss gestrichen ist. Das äussere Kleid ist zurückhaltend dunkel. Weil weithin im Hintergrund der Kirche sichtbar, kann der private Hochsitz trotzdem als Architekturkanzel (miss-)verstanden werden und Vorwürfe an eine regionalistische Architektur wachrufen, die das Lokale nicht typologisch einbringt, sondern vor allem ästhetisiert. Das Spiel könnte „Risiko und Selbstverständlichkeit“ heissen: Wenn Haldensteins Architekten diesen Spagat jedoch weiterhin wagen, wird das dem Dorf nicht schaden. Im Gegenteil.

Der vollständige Artikel mit Plänen ist im werk, bauen+wohnen Nr. 4/2010 erschienen: Robert Albertin: Hochsitz in Haldenstein